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"... Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen!"
Er sagte nicht "Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen!"
sondern"Der Krieg gegen den Irak hat begonnen." Er sagte
das auch nicht im deutschen Reichsrundfunk sondern im amerikanischen
Fernsehen; es war nicht 5:45 sondern 5:15 Ortszeit im Irak, die Zeit
zum Morgengebet; es war nicht der 1. September sondern der 20.
März; nicht 1939 sondern 2003. Und der Präsident würde
selbstverständlich nie auch nur auf die Idee kommen, irgend
jemanden zu fragen, ob er den totalen Krieg wolle; nein, er will nur
den Sturz von Saddam, dann ein USA-freundliches Marionettenregime, dann
das Öl und dann...
Das wird sich dann schon finden. Und wer da in der Welt nicht mittun
will, der ist sich seiner Verantwortung eben einfach nicht bewußt.
Das wundert mich nicht, schließlich bezeichnen sich die USA als "Gottes eigenes Land"; also untersteht deren Präsident Gott im Grunde ebenso direkt wie etwa der Papst. Aber der war zu allem Unglück auch gegen den Krieg. Und damit, daß die UNO Bush nicht als Feigenblatt zur Rechtfertigung des Krieges hat dienen wollen, müsssen die USA auch leben.
Das können sie aber ganz gut, denn weit und breit scheint es kein Land zu geben, das ernsthaften Widerstand leisten könnte, selbst wenn es wollte. Einst war die Sowjetunion so ein Gegenspieler, und das traurige Spiel hieß "Kalter Krieg". Aber nun, da dieser Gegenspieler fehlt, scheint das den höheren Kreisen in den Kopf gestiegen zu sein. Für die, die interessiert, wo das letztlich hinführt, hier ein Link zum Nachlesen: aus dem Alten Testament, das Buch Daniel, Kapitel 5.
Die amerikanische Wirtschaft scheint schon mit der Erwartung eines Krieges recht zufrieden gewesen zu sein, wie sonst sollte man folgende Meldung deuten?
"New York (dpa) - Die amerikanischen Aktienbörsen haben in Erwartung eines kurzen und erfolgreichen Irak-Kriegs am Mittwoch wieder leichte Kursgewinne verbucht. Viele Anleger und Analysten hoffen, dass es den amerikanischen und britischen Truppen gelingen wird, Saddam Hussein innerhalb weniger Tage oder Wochen zu besiegen, ohne dass er vorher irakische Ölfelder zerstört."
Nein, Herr Bush, das ist keine gute Sonne, die da heute morgen
über dem Irak aufgegangen ist. Die Zerstörung ganzer
Länder - zumal souveräner Staaten und UNO-Mitglieder - um
eines Diktators oder Terroristen willen ist keine kluge und
zukunftsweisende Antwort auf politische Fragen, sondern, weil
noch dazu ohne UNO-Mandat und Deckung durch das Völkerrecht,
in meinen Augen selbst ein Akt von Staatsterrorismus. Da kann man
nur das sudanesische Sprichwort zitieren:
"Was zeigst du auf den mit zwei Zähnen im Maul,
wenn du selbst nur einen hast!"
Wie schon im Vorfeld des Krieges, so gibt es auch jetzt geteilte Meinungen über das Vorgehen der USA gegen den Irak. Das war auch gar nicht anders zu erwarten. Hier einige Beispiele: