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Über mich

Foto von Falk, November 2001 Als ich, Falk Webel, am 13. November 1953 gegen 14 Uhr in Schalkau, einer kleinen Stadt im Kreis Sonneberg in Südthüringen, zur Welt kam, soll meine Mutter sich bald die Augen ausgeheult haben, denn es war gerade Freitag. Mein Bruder sagte später, er könne sich daran erinnern, daß man ein schreiendes Bündel an ihm vorbeigetragen habe. Er war damals aber erst zweieinhalb Jahre alt. Ich bekam den Namen Falk Richard Schulze. Webel wurde ich erst, als ich am 16. Juni 1978 Marianne Webel heiratete. Der Vorname Richard stammt von meinem Vater, der zu dieser Zeit aber schon tot war. Ich kenne ihn also nicht und meine Mutter kaum, denn sie war oft krank und verstarb, als ich 6 Jahre alt war. Sie war Hilfsschullehrerin.

Mein Bruder und ich wuchsen also bei unserer Großmutter auf, einer couragierten Frau, die schon zwei Weltkriege hinter sich hatte und mit den Widrigkeiten des Lebens fertig zu werden wußte. Bei ihrer kleinen Rente und zwei zu versorgenden Kindern erforderte das viel Umsicht und Sparsamkeit. Sicher hatten wir nicht den Wohlstand Anderer, aber wir hatten stets genug zu Essen und waren ordentlich gekleidet. Milliarden von Menschen haben heutzutage nicht einmal das!

Schon beim Wickeln bemerkte meine Großmutter, daß ich immer die sehr helle Deckenleuchte anstarrte, was mich eigentlich hätte blenden müssen. Und tatsächlich, es war Grauer Star, der zwar gut operiert werden kann, der aber auch zur Sehschwäche führen kann, wenn er vorgeburtlich auftritt und im Säuglingsalter schon weit fortgeschritten ist. Zwar wurden die Augenlinsen durch Operationen im Alter von einem dreiviertel Jahr beziehungsweise anderthalb Jahren entfernt, aber eine erhebliche Sehbehinderung ist geblieben.

Während heutzutage sehr oft Kontaktlinsen zur optischen Korrektur eingesetzt werden und auch die Brillen relativ leichte Kunststoffgläser haben, bedeutete damals Grauer Star eine Brille mit dicken, schweren Glaslinsen, die oft mehr auf der Nase als vor den Augen saß, oder besser hing. Ich kenne mich nur mit Brille und habe mich so daran gewöhnt, daß ich selbst heute, wo das im Grunde möglich wäre, nicht auf Kontaktlinsen umsteigen mag.

Mit knapp sieben Jahren kam ich dann in die Sehschwachenschule in Weimar, eine Schule speziell für Sehbehinderte. Das war für die Schüler, die aus ganz Thüringen kamen, damit verbunden, daß sie die Schulzeit in einem Internat verbringen mußten und nur in den Ferien nach Hause fahren konnten. Mich störte das nicht, denn ich war schon oft, zuletzt wegen einer Tuberkulose, nicht zu Hause gewesen und mußte auch in ein Kinderheim, wenn mich meine Großmutter nicht betreuen konnte.

Das Stillsitzen fiel mir schwer, das Lernen dafür um so leichter. Wir hatten aber auch Lehrer und Erzieher, denen eine gute Bildung ihrer Schüler sehr am Herzen lag. Und schließlich befand sich die Schule in Weimar, der Stadt Goethes, Schillers, von Franz Liszt und Richard Wagner, die sie durch ihr kulturelles Wirken weltbekannt machten. Mit Gedichten und Geschichten, Parks und Schlössern sowie dem berühmten Nationaltheater hatte und hat Weimar fast alles zu bieten, was das Herz eines kulturell und künstlerisch interessierten Menschen begehrt. Leider gehört zu Weimar aber auch das KZ Buchenwald auf dem Ettersberg. Auch dorthin gingen wir als Schüler, um es zu besichtigen.

Damals wurde das Bild der Stadt auch durch die Anwesenheit der Soldaten der Roten Armee geprägt. "Die Russen" waren also auch da, und weil wir in der Schule Russisch lernten, hatten wir auch direkt Kontakt mit ihnen.

So ist es kein Wunder, daß wir wohl viel besser als anderswo mit allen Seiten der deutschen Geschichte und Gegenwart vertraut gemacht werden konnten. Ich werde diese Stadt immer lieben.

Da ich, wie gesagt, ein sehr guter Schüler war, konnte ich mit Beginn des 9. Schuljahres die Erweiterte Oberschule für Sehgeschädigte in Königs Wusterhausen bei Beriin besuchen. Das war auf dem Gebiet der ehemaligen DDR die einzige einem heutigen Gymnasium vergleichbare Schule zur Erlangung der Hochschulreife.

Hier wurden Sehbehinderte und Blinde gemeinsam unterrichtet. Das war für Sehbehinderte wie mich, die vorher keinen Umgang mit Blinden hatten, etwas Neues. Andererseits mußten die Blinden dort auch lernen, mit uns Sehbehinderten zurechtzukommen. Berührungsängste, wie sie Sehende oft gegenüber Blinden haben, gab es kaum, und wenn, dann verschwanden sie mit der Zeit und das Zusammenleben verlief im allgemeinen problemlos. Damals lernte ich auch Marianne kennen, aber da wußten wir noch nicht, daß aus uns einmal ein Paar werden würde. Und so verloren wir uns auch zunächst aus den Augen, als ich die Schule 1972 verließ.

Da nahm ich an der Bergakademie Freiberg (heute Technische Unuversität Bergakademie Freiberg), ein Studium im Fach Betriebswirtschaft auf. Ein technisch orientierter Beruf hätte mich weit mehr gereizt - aber mit den Augen! Da die Ausbildung aber wegen der Ausrichtung auf den Bergbau stark technisch orientiert war, hatte ich doch Mühe dabei. Man muß bedenken, daß es beim Studium, im Gegensatz zur Schule, keine Berücksichtigung irgendwelcher Behinderungen gab und gibt. So konnte ich nicht mit dem Rechenschieber arbeiten, aber Taschenrechner gab es noch nicht. Und das war nur ein Problem, mit dem ich zu kämpfen hatte. Schon die Entfernung zur Tafel war gelegentlich so groß, daß ich nicht lesen konnte, was darauf stand. Das ist aber in naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik und Physik beinahe fatal.

Bei Besuchen von Schulkameraden in Leipzig gegen Ende meines Studiums begegnete mir Marianne wieder. Wir heirateten, wie oben schon erwähnt, am 16. Juni 1978. Bis ich ihr allerdings 1979 nach Ilmenau folgen konnte, arbeitete ich in einem Braunkohlenkombinat. Das ist ein Betrieb, der die Kohle sowohl fördert als auch zu Briketts verarbeitet oder verstromt. Heute gibt es den Betrieb nicht mehr.

Und den Betrieb, in dem ich in Ilmenau bis zur Wende arbeitete, gibt es so auch nicht mehr, so daß ich 1990 meine Arbeit verlor. Aber wir haben uns gegenseitig über den Berg geholfen; ich habe Marianne die Grundlagen des PC beigebracht, damit sie ihre Arbeit behalten konnte und sie hat sich darum gekümmert, daß ich einen Lehrgang besuchen konnte, nach dem ich auch wieder Arbeit bekam.

Seit dieser Zeit ist der PC mein Arbeitsmittel, und er wird es auch für den Rest meines Berufslebens bleiben. Und das Gebiet der elektronischen Datenverarbeitung und der elektronischen Medien entwickelt sich rasch.

So prägt der PC nicht nur unser beider Berufsleben, sondern mittlerweile auch die gesellschaftliche Tätigkeit im BSVT bis hin zum Privatleben. Die Kassettenzeitschrift "Thüringer Journal" des BSVT, die wir redaktionell betreuen und deren Mutterbänder wir produzieren, werden in zunehmendem Maße auf dem PC erstellt.

Natürlich gibt es noch mehr Dinge, die ich gern tue, wenn mir die Zeit dazu bleibt: Politik, Musik hören und manchmal sogar welche machen, sowie Fotografieren.

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© 2002-2010 Falk Webel, Ilmenau
Letzte Aktualisierung: Mon, 14. 04. 2003, 02:36 Uhr.
URL: http://www.irischer-holzwurm.de/UEBERUNS/falkslbn.shtml